Es ist der 6. Dezember, kurz vor neun Uhr morgens. Der Raum ist noch nicht ganz fertig. Hier wird noch geschraubt, dort ein Kabel zurechtgelegt. Menschen stehen in kleinen Gruppen zusammen, trinken ihren ersten (oder in Max fall den 14.Kaffee), reden leise. Und trotzdem liegt sie schon in der Luft – diese Mischung aus Nervosität, Vorfreude und gespannter Erwartung.
Punkt neun Uhr startet die Red Bull Road to HYROX mit dem Testing Day, ein Tag, der zeigt, wo unsere Athlet:innen wirklich stehen bzw. von wo die Reise startet.
Die Stimmung: angespannt, offen, motiviert
„Was mich heute am meisten freut, ist die Stimmung“, sagt Max. Und genau das trifft es. Niemand weiß genau, was ihn erwartet – und doch sind alle bereit, sich darauf einzulassen. Nicht alles ist perfekt vorbereitet, aber das ist egal. Es geht nicht um Hochglanz, sondern um Substanz.
Die Teilnehmer:innen wissen: Heute wird getestet. Nicht bewertet, nicht verglichen – sondern ehrlich analysiert. Körperlich. Athletisch. Strukturell.
Ein Tag, viele Infos, noch mehr Hands on – das Konzept dahinter
Die Idee der Road to HYROX ist einfach und gleichzeitig ungewöhnlich konsequent: Statt einfach mehr zu trainieren, wird zuerst verstanden, wie trainiert werden sollte.
Dafür durchlaufen alle Athlet:innen mehrere Stationen:
- Body Scan & Körperzusammensetzungsanalyse
- Mobilitätsscreening
- Kraftdiagnostik
- Sprung- und Reaktivkrafttests
- Laktat-Leistungsdiagnostik am Laufband
Am Ende dieses Tages steht ein vollständiges Athletenprofil.
Der Body Scan
Eine der ersten Stationen ist der 3D Body Scan. Technologisch gesehen ist es eine Mischung aus 3D-Erfassung und Bioimpedanzanalyse – oder wie Max es beschreibt: ein umgekehrter 3D-Drucker.
Mehrere Kameras und Sensoren erfassen die Körperumfänge, während sich die Athlet:innen einmal um die eigene Achse drehen. Ergänzt wird das Ganze durch eine Bioimpedanzmessung: Ein schwacher Strom wird durch den Körper geschickt, der Widerstand gemessen, daraus die Körperzusammensetzung berechnet.
Was sichtbar wird, überrascht viele:
- Muskelmasse links und rechts.
- Umfangsdifferenzen.
- Standverteilung auf den Füßen.
- Körperfett, Gesamtgewicht, muskuläre Asymmetrien.
„Dass mein Oberschenkelumfang so unterschiedlich ist, war mir nicht bewusst“, sagt ein Teilnehmer. Rechts der dominante Fußballfuß – links aktuell mehr Umfang. Dazu Probleme mit der Patella. Plötzlich ergibt vieles Sinn.
Der Body Scan liefert also wichtige Hinweise für die weitere Trainingsplanung. Und genau darin liegt sein Wert.
Mobilität: Kleine Einschränkungen, große Wirkung im Training
Als Nächstes folgt das Mobilitätsscreening. Getestet werden Sprunggelenk, Hüftgelenk und Schultergelenk – jeweils mit Sensoren direkt am Gelenk.
Die Athlet:innen führen die Bewegungen aktiv aus, während das System Reichweite, Symmetrie und Einschränkungen erfasst. Es geht nicht um spektakuläre Defizite, sondern um feine Unterschiede.
Links gegen rechts.
Bewegungsfreiheit unter Belastung.
Potenziale, die im Training oft unbemerkt bleiben.
Gerade im Kontext von HYROX – mit Laufen, Schlitten, Ausfallschritten und Wall Balls – können diese Details entscheidend sein.
Krafttests mit Aussagekraft
Beim Krafttest wird nicht einfach „schwer gehoben“. Stattdessen kommt Velocity Based Training zum Einsatz.
Ein Sensor an der Langhantel misst die Geschwindigkeit, mit der sich die Stange bewegt – besonders in der konzentrischen Phase des Squats. Aus dieser Geschwindigkeit lässt sich sehr präzise auf das mögliche One-Rep-Max schließen.
„Wir starten mit der leeren Stange und steigern schrittweise“, erklärt Max.
Am Ende steht bei ihm 115 Kilogramm – auf zwei Wiederholungen. Das System errechnet daraus, wie viel theoretisch möglich wäre, wenn man frisch wäre.
Der Vorteil: maximale Aussagekraft bei minimalem Risiko.
Springen, reagieren, Kraft produzieren
Ein weiterer Baustein ist der Sprungtest. Repeated Jumps, gemessen wird der sogenannte Reactive Strength Index (RSI).
Wie hoch springt jemand – bei möglichst kurzer Bodenkontaktzeit? Wie gut kann Kraft schnell umgesetzt werden?
Für manche ist das ein Highlight. Besonders Athlet:innen mit Hintergrund in Sportarten wie Volleyball oder Leichtathletik sehen hier ihre Stärken bestätigt.
„Das war der Test, der mich am meisten gepusht hat“. „Da habe ich gemerkt, dass meine Vergangenheit im Beachvolleyball doch noch etwas bringt.“
Der Laktattest
Am forderndsten – körperlich wie mental – ist für viele der Laktattest.
Drei Minuten laufen bei sechs km/h. Dann Steigerung. Dann noch eine. Und noch eine.
Bis entweder 20 km/h erreicht sind – oder der Körper ein klares Signal sendet.
Nach jeder Stufe ein kurzer Stich ins Ohrläppchen, ein Tropfen Blut, der Laktatwert wird gemessen. Die Kurve zeigt, wie lange der Körper Belastung effizient verarbeiten kann – und wo die individuelle Schwelle liegt.
„Am Ende wurde es richtig zäh“. „Die Schritte wurden länger, ich musste mich richtig konzentrieren, sauber aufzutreten.“
Für viele wird hier deutlich: Beim Laufen liegt noch enormes Potenzial – aber auch klare Arbeit.
Gespräche, Erkenntnisse, neue Ziele
Zwischen den Tests entstehen Gespräche. Über Stärken. Über Schwächen. Über Ziele.
Während es für den einen darum geht, „ ins Qualifier-Event kommen“, wagen andere erstmals den Schritt von Doubles zu Singles. Mehrere nennen die Beine als größte Baustelle – Ausfallschritte, Wall Balls, Burpees. Autsch!
HYROX wird hier nicht romantisiert. Es wird realistisch betrachtet. Als das, was es ist: Arbeit und Anstrengung!
Das Ergebnis: Ein Profil, das sonst kaum jemand bekommt
Am Ende des Tages sind alle Tests abgeschlossen. Was bleibt, ist ein außergewöhnlich umfassendes Bild:
- Ausdauerprofil
- Kraftwerte
- Mobilitätsstatus
- Körperzusammensetzung
- Asymmetrien
- Potenziale
Auf dieser Basis erhält jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer eine individuelle Gesamtauswertung – inklusive Trainingsplanung, angepasst an Zeitbudget und Zielsetzung.
Keine Standardprogramme. Keine pauschalen Empfehlungen. Sondern Training, das aus Daten entsteht.
Und dann: noch einmal gemeinsam schwitzen
Ganz zum Schluss gibt es noch ein gemeinsames Workout. Freiwillig. Kurz. Intensiv.
Viele wissen vorher nicht, was sie erwartet. Nur so viel: Es wird effizient. Und es wird lustig. Zwei Leute müssen spiken. Niemand bis zur völligen Erschöpfung.
Ein gemeinsamer Abschluss für einen Tag, der viel verlangt – und viel zurückgegeben hat.
Mehr als Vorbereitung auf HYROX
Die Road to HYROX ist kein Versprechen auf Bestzeiten, aber der Anfang einer intensiven und “optimalen” Vorbereitung. Ausgangspunkt sind eben die Daten: denn wer weiß, wo er steht, kann gezielt arbeiten. Und wer gezielt arbeitet, kann mehr aus sich herausholen – egal, ob das Ziel unter oder über 60 Minuten liegt.
Unsere Berichterstattung Der Testing Day ist nur der Anfang. In den kommenden Wochen begleiten wir die Road to HYROX weiter – nicht oberflächlich, sondern konsequent in der Tiefe. Im Zone.Fit Blog berichten wir regelmäßig über alle Testergebnisse, Trainingsanpassungen und Entwicklungen der Athlet:innen auf dem Weg zum Wettkampf.
Uns interessiert nicht nur, wer schneller oder stärker wird, sondern vor allem warum. Welche Maßnahmen greifen Wo liegen typische Schwachstellen? Und was lässt sich daraus für andere ableiten – unabhängig vom Leistungsniveau.
Unsere Berichterstattung verstehen wir dabei ausdrücklich als Dialog. Wenn euch bestimmte Themen besonders interessieren oder ihr euch konkrete Inhalte wünscht – etwa zu Training, Regeneration, mentaler Vorbereitung oder einzelnen HYROX-Disziplinen – schreibt uns jederzeit an info@zone.fit. Eure Fragen und Anregungen fließen direkt in unsere weitere Berichterstattung ein.
Die Road to HYROX ist ein Prozess – und genau so wollen wir auch darüber berichten: transparent, ehrlich und gemeinsam mit unserer Community.







